Betriebsanweisungen Ketten- und Seilzüge
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Betriebsanweisungen – Sicherer Umgang mit elektrischen Ketten- und Seilzügen
Betriebsanweisungen für elektrische Ketten- und Seilzüge legen die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen, Prüfabläufe und Bedienvorschriften fest, um einen sicheren und rechtskonformen Einsatz zu gewährleisten. Diese Hebezeuge sind zentrale Arbeitsmittel in industriellen Umgebungen und müssen gemäß BetrSichV, DGUV Vorschrift 54/55 und TRBS 1201 betrieben werden. Die Anweisungen enthalten Hinweise zu zulässigen Lastgrenzen, Steuerungsfunktionen, täglichen Sichtprüfungen und dem Verhalten bei Störungen. Eine lückenlose Dokumentation und regelmäßige Mitarbeiterschulungen sind entscheidend, um Unfälle zu vermeiden, die Betriebssicherheit zu gewährleisten und die Lebensdauer der Geräte zu verlängern. Im Facility Management sorgen standardisierte Betriebsanweisungen für Transparenz, Verantwortlichkeit und eine dauerhafte Einhaltung aller Sicherheits- und Rechtsanforderungen bei Hubarbeiten.
Elektrische Ketten- und Seilzüge, Laufkatzen/Monorails – Überblick
- Gerätearten
- Risiken
- Normenüberblick
- Betriebsanweisungen
- Bedienung
- Hebezeug
- Elektrisches
- Wartung
- Bedienung
- Seilwinden
- Bedienung
- Seilwinde
- Handhebezeuge
- Handhebezeug
- Handhebezeug
- Instandhaltung
Gerätearten und Einsatz
Elektrische Kettenzüge: Kompakte Hubgeräte mit Rundstahlkette, wirtschaftlich bis mittlere Traglasten (typisch bis ~5 t), robuste Allrounder für Montage, Fertigung, Intralogistik, Bühnen-/Eventtechnik (mit spezieller Ausführung).
Elektrische Seilzüge: Drahtseil als Tragmittel, höhere Tragfähigkeiten und Hubgeschwindigkeiten, gute Einschaltdauer, bevorzugt in Produktionslinien, Hallenkranen, Prozesskranen.
Laufkatzen/Monorails: Fahrwerke (manuell/elektrisch) für Kranträger, IPE-/HEA-Träger oder geschlossene Profile; als Einträgerkatze, Doppellaufkatze, kurvengängige Monorails für Förderstrecken, oft mit Frequenzumrichtern für sanftes Anfahren/Bremsen.
Zubehör: Haken, Schäkeln, Lastaufnahmemittel (Traversen, Greifer), Endanschläge, Puffer, Kollisionsschutz, Frequenzumrichter, Funkfernsteuerung, Lastanzeige/-begrenzung.
Typische Risiken
Pendeln der Last: durch abruptes Beschleunigen/Bremsen; Kollisions- und Quetschgefahr. Maßnahmen: sanfte Fahrprofile (FU), Schwingungsdämpfung, Taglines, gesperrte Schwenkbereiche.
Überlast/Fehlanwendung: Last > Nennlast, Schrägzug/Seitenzug, Heben von Personen, Unterfahren der schwebenden Last. Maßnahmen: Lastbegrenzung, Überlastkupplung, Lastmessung, klare Betriebsgrenzen und Absperrung.
Absturz von Lasten: fehlerhafte Anschlagmittel, Verschleiß (Kette/Seil), fehlende Endabschaltung. Maßnahmen: tägliche Sichtprüfung, definierte Ablegekriterien, obere/untere Endschalter, zweikanalige Sicherheitsfunktionen.
Kollision/Quetschen/Elektro: Fahrwerkskollisionen, Einklemmen an Laufschienen, elektrische Gefährdungen. Maßnahmen: Puffer, Endanschläge, Antikollisionssysteme, Not-Halt, IEC-konforme elektrische Ausrüstung.
Instandhaltung: unzureichende Prüfungen, mangelnde Schmierung/Seilpflege. Maßnahmen: Prüfintervalle, Befähigte Personen, dokumentierte Wartung.
Normenüberblick
EN 14492-2: Kraftbetriebene Hubwerke (Ketten-/Seilzüge).
EN 13157: Handbetriebene Hebezeuge (relevant für Mischflotten).
EN 15011 und EN 13001-Reihe: Brücken-/Portalkrane, Auslegung.
ISO 4301/4306: Klassifikation/Begriffe Hebezeuge.
EN 818 (Rundstahlketten), EN 12385 (Drahtseile), EN 13411 (Seilendverbindungen).
IEC/EN 60204-32: Elektrische Ausrüstung von Hebezeugen; EN 13849-1/-2: Sicherheitssteuerungen; EN ISO 12100: Risikobeurteilung.
Recht: BetrSichV (DE) inkl. Gefährdungsbeurteilung und Prüfungen; TRBS 1201/1203 (Prüfung/befähigte Personen); DGUV Vorschriften 52 (Krane) und 54 (Winden, Hub- und Zuggeräte); EU-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG bzw. künftig Maschinenverordnung (EU) 2023/1230.
Betriebsanweisungen (BA) im Überblick
Geltungsbereich/Bestimmungsgemäße Verwendung: Traglast, Einschaltdauer, Umgebungsbedingungen, Verbot Schrägzug/Personenheben.
Qualifikation/Organisation: Unterweisung, Signalgeber, Verantwortliche Person, Freigabe von Hebevorgängen, Sperr-/Warnbereiche.
Gefährdungen/Schutzmaßnahmen: Pendeln, Überlast, Quetschen, elektrische Gefahren; persönliche Schutzausrüstung; Taglines; Absperrungen.
Bedienung: Vorstartcheck (Kette/Seil, Hakenverriegelung, Not-Halt, Endschalter), Anschlagen der Last, Probehub, Fahr- und Hubprofile, Funkdisziplin.
Prüfungen/Instandhaltung: Tägliche Sichtkontrollen, regelmäßige Prüfungen durch Befähigte Personen, Schmierung/Wechselintervalle, Dokumentation.
Störungen/Notfall: Verfahren bei Fehlermeldungen, Last sicher absetzen, Abschalten, Meldung; kein Weiterbetrieb bei Verdacht auf Schaden.
Standardbetrieb Heben/Senken
Vor Beginn Sichtprüfung: Tragmittel, Hakenverschluss, Steuerung, Not-Halt, Bremstest ohne Last.
Last mittig anschlagen, Haken sicher verriegelt, Last frei von Anhaftungen.
Last vorspannen, kurz anheben, Stabilität prüfen, erst dann auf Arbeitsniveau heben.
Gleichmäßige, stoßfreie Fahr- und Hubbewegungen; ruckartiges Anfahren/Abbremsen vermeiden.
Senken kontrolliert und mit Sichtkontakt; Last geordnet absetzen, Tragmittel entlasten.
Lastgrenzen
Nenntragfähigkeit (WLL/SWL) strikt einhalten; keine Überlast.
Lastverteilung beachten (ein-/mehrsträngig, Neigungswinkel).
Keine unbekannten, schräg ziehenden oder eingeklemmten Lasten heben.
Pendelminimierung
Last Schwerpunktgerecht aufnehmen; kurze Anschlagmittel.
Sanft anfahren/auslaufen, ggf. Fein- oder Kriechgang nutzen.
Tagline/Leitseil einsetzen; Querverfahren während des Hebens minimieren.
Last erst pendelfrei positionieren, dann absetzen.
Ergonomische Hinweise
Steuerung körpernah, Handgelenk neutral; Blickrichtung zur Last.
Standsichere Position, Drehbewegungen über die Füße, nicht den Rücken.
Arbeitsbereich freihalten; ergonomische Arbeitshöhen anstreben; Pausen bei repetitiven Vorgängen.
Schutzmaßnahmen
Niemals Personen unter schwebender Last; Gefahrenbereich absperren.
PSA nach Risikoanalyse (Sicherheitsschuhe, Handschutz, ggf. Helm).
Not-Halt kennen; bei Unregelmäßigkeiten sofort stoppen und melden.
Keine seitlichen Zugkräfte; Windlasten beachten.
Vor Eingriffen: Energiequelle trennen und verriegeln (Lockout/Tagout).
Auswahl und Einsatz von Anschlagmitteln
Anschlagmittel sind last- und umgebungsabhängig zu wählen: Tragfähigkeit (inkl. Neigungswinkel), Lastgeometrie und Schwerpunkt, Kanten- und Oberflächenbeschaffenheit, Temperatur und Chemikalien. Übliche Mittel: Kettengehänge (robust, hitzefest), Drahtseile (formstabil), textile Hebebänder/Rundschlingen (schonend, kantensensibel). Kanten schützen (Schutzwinkel/Schoner), bei asymmetrischen Lasten Ausgleich verwenden (Traversen, Lasthebemagnete nur für zugelassene Werkstoffe). Kennzeichnung und Tragfähigkeitsangaben müssen vorhanden und lesbar sein.
Anschlagarten
Direktanschlag (ein- oder mehrsträngig)
Bucht-/Korbanschlag (Tragfähigkeit steigt, Kippsicherheit beachten)
Choker/Würgeschlinge (Formschluss, reduzierte Tragfähigkeit)
Verwendung von Traversen/Lastaufnahmemitteln zur Schwerpunktkontrolle und Lastverteilung
Sichtprüfung
Vor jedem Einsatz: Identifikation/CE, Unversehrtheit. Ablegereife z. B.: bei Ketten vergrößerte Maulweite, Verformung, Risse; bei Drahtseilen Drahtbrüche, Quetschungen, Knicke; bei Textilien Schnitte, Durchscheuern, Hitze-/Chemikalienschäden; bei Haken fehlender Sicherheitsverschluss. Mängel führen zum sofortigen Ausscheiden.
Rollenabgrenzung
Der Anschläger wählt Anschlagmittel, bestimmt Anschlagart, sichert Kanten/Schwerpunkt und gibt eindeutige Signale. Der Kranführer führt nur auf Zeichen aus und stoppt bei Gefahr. Ein weisungsbefugter Einweiser/Signalgeber ist eindeutig festgelegt; nur eine Person gibt Signale. Arbeiten werden abgebrochen bei Unsicherheit oder Abweichungen vom Hebeplan.
Prüffristen
Die Prüfung erfolgt durch eine befähigte Person nach TRBS 1203. Vor Erstinbetriebnahme sowie nach wesentlichen Änderungen/Instandsetzungen ist eine umfassende Prüfung erforderlich. Wiederkehrende Prüfungen sind auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung und Herstellerangaben festzulegen; in der Praxis meist mindestens jährlich, bei erhöhter Beanspruchung (Mehrschichtbetrieb, aggressive Umgebungen) mit verkürzten Intervallen. Zusätzlich: anlassbezogene Prüfungen nach außergewöhnlichen Ereignissen (Beinahe-Unfall, Überlastung) sowie regelmäßige Sicht-/Funktionskontrollen durch die Bediener.
Lastprobe
Bei Erstprüfung und nach maßgeblichen Änderungen ist eine Lastprobe durchzuführen, entsprechend den einschlägigen Normen/Herstellerangaben (z. B. DIN EN 14492). Üblich: statische Probe mit etwa 1,25-facher Nennlast, dynamische Probe mit etwa 1,1-facher Nennlast. Nachweis der Prüflast, reproduzierbarer Prüfablauf (Heben/Senken, Fahrbewegungen, Bremsen), Funktions- und Abschaltprüfung.
Kennzeichnung
Erforderlich sind: eindeutige Identifikation, Hersteller/Seriennummer, Baujahr, CE-Kennzeichnung, Nenntragfähigkeit, ggf. Hubgeschwindigkeit/Schutzart sowie sichtbare Prüfplakette (Datum/Nächste Prüfung). Tragfähigkeitsangabe am Haken/Flasche; Ketten/Seile mit Güteklasse und Abmessungen.
Dokumentationsanforderungen
Prüfprotokoll mit Gerätedaten, Prüfumfang und -methodik, Ergebnissen (einschließlich Lastprobenachweis), festgestellten Mängeln, Bewertung, Maßnahmen und Fristen; Mess-/Verschleißwerte (z. B. Hakenmaulmaß, Kettenlängung) und Fotodokumentation bei Bedarf. Unterschrift und Qualifikationsnachweis der befähigten Person. Aufbewahrung im Prüfbuch und am Betriebsort verfügbar, mindestens bis zur nächsten Prüfung; Änderungen und Instandsetzungen fortlaufend nachführen.
Schmierung/Getriebe
Schmierstellen und Getriebeöl gemäß Herstellerangaben kontrollieren, nachfüllen/wechseln; auf Leckagen, Verfärbungen, Partikel achten.
Lüftungs-/Ölstandsanzeigen reinigen und prüfen; ungewöhnliche Geräusche/Vibrationen dokumentieren.
Drehmoment der Gehäuseschrauben prüfen; Dichtungen inspizieren.
Ketten-/Seilprüfung
Kette/Seil visuell und taktil prüfen: Verschleiß, Korrosion, Kerben, Drahtbrüche, Kettenlängung, Steifstellen.
Umlenkrollen/Trommel auf Riefen, Fluchtung, Freigängigkeit prüfen; Schmierung der Kette nach Vorgabe.
Ablegekriterien und Grenzwerte gemäß Hersteller/DIN/ISO anwenden; Prüffund dokumentieren.
Bremsen
Funktionsprüfung ohne Last und unter Prüflast: Haltekraft, Schlupf, Nachlauf.
Bremsbeläge, Federn, Luftspalt, Ansteuerung (elektr./mechan.) inspizieren; Einstellungen nur durch befähigte Personen.
LOTO (Lockout/Tagout)
Vor Arbeiten spannungsfrei schalten, gegen Wiedereinschalten sichern, kennzeichnen, Energie nullstellen, Restenergie abbauen, Wirksamkeit prüfen.
Persönliche Schlösser/Tags verwenden; Freigabe erst nach Abschlusskontrolle.
Kann/Muss-Bewertung
Muss: LOTO, regelmäßige Sicht-/Funktionsprüfungen, Einhaltung Ablegekriterien, Schmier-/Ölwechsel nach Hersteller, Dokumentation, Arbeiten durch befähigte Personen.
Kann (empfohlen): Zustandsüberwachung (Vibration/Ölanalyse), erweiterte Prüfintervalle risikobasiert, Farbcodierung von Prüfzuständen, Schulungen/Refreshers über Mindestanforderung hinaus.
Fahrt entlang der Bahn
Vor Fahrtantritt Funktionsprüfung von Fahr- und Hubwerk, Bremsen, Endschaltern und Not-Halt durchführen; Fahrweg visuell freigeben.
Last mittig anhängen, pendelarm führen, keine Schrägzug- oder Querzug-Situationen zulassen.
Mit angepasster Geschwindigkeit und ruckfrei fahren; Sichtfahren hat Vorrang, bei eingeschränkter Sicht nur mit Einweiser.
Endlagen respektieren; Endschalter nicht als Betriebsbremse nutzen. Anfahr- und Bremsvorgänge so planen, dass keine Lastpendelung entsteht.
Übergabepunkte
Übergabebereiche sind gekennzeichnete Zonen mit definierter Fahr- und Hubfreigabe.
Vor Übergabe Last stabilisieren, zentrieren und auf Hindernisfreiheit prüfen; Übergabe nur bei funktionsfähiger Schnittstelle (mechanisch/elektrisch) und bestätigter Freigabe (Quittierung).
Kommunikationspflicht: klare Übergabe-/Übernahme-Kommandos; Verantwortung wechselt erst nach bestätigter Übernahme.
Betrieb in Mehrkrananlagen
Zonensteuerung und Prioritäten verwenden; gleichzeitige Belegung einer Zone durch mehrere Laufkatzen ist untersagt.
Antikollisionssysteme aktiv halten; Funk-/Bedienkanäle koordinieren, gegenseitige Sicht- oder Funkbestätigung vor Einfahrt in gemeinsame Bereiche.
Sperrbereiche für Montage/Service einhalten; Deadlocks vermeiden durch definierte Ausweich- und Rückzugslogik.
Seilwinden – Überblick
Seilwinden dienen zum Heben, Ziehen und Positionieren von Lasten und sind in zahlreichen Branchen unverzichtbar. Ihre sichere Anwendung erfordert ein Verständnis typischer Einsatzfelder, zentraler Gefährdungen, relevanter Normen und klarer Betriebsanweisungen.
Einsatzfelder
Bauwesen (Montage, Schalungs- und Bewehrungstransport)
Industrie/Maschinenbau (Instandhaltung, Anlagenpositionierung)
Forstwirtschaft (Rückung, Seilzugunterstützung)
Offshore/Maritim (Anker-, Festmacher- und Arbeitswinden)
Energie/Wind (Installation, Seilzugarbeiten)
Rettung/THW/Feuerwehr (Bergen, Sichern)
Veranstaltungstechnik/Rigging (Lastführung, Traversenhubs)
Grundlegende Risiken
Quetsch-, Scher- und Einzugsstellen am Trommel-/Seilverlauf
Seilversagen, Peitscheneffekt, fallende Lasten
Überlast, Kippen/Abheben unzureichend verankerter Systeme
Unkontrollierte Bewegungen durch Fehlbedienung oder Steuerungsfehler
Elektrische Gefährdungen, EMV-Störungen; Witterung/Untergrundrisiken
Normenüberblick
Recht: Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, BetrSichV, ArbSchG
Grundnormen: EN ISO 12100 (Risikobeurteilung), EN 60204-1 (Elektrik), EN ISO 13849-1/-2 (Sicherheitstechnik)
Produktspezifisch: EN 14492-1/-2 (kraftbetriebene Winden/Hebezeuge), EN 13157 (handbetriebene), EN 12385 (Drahtseile)
Arbeitsschutz: DGUV Vorschrift 54; DGUV Regel 100-500 Kap. 2.8; TRBS 1201/2121 (Prüfung/Arbeiten in der Höhe)
Erforderliche BAs
Hersteller-Bedienungsanleitung: Einsatzgrenzen, Tragfähigkeit, Montage/Anschlag, Prüf- und Wartungsvorgaben.
Betriebliche Betriebsanweisung: Gefährdungen und Schutzmaßnahmen, Qualifikation/Unterweisung, Sperr- und Gefahrenbereiche, Signale/Einweiser, PSA, Witterungs-/Bodenbedingungen, Not-Halt/LOTO, Prüfintervalle, Dokumentation und Freigaberegeln (inkl. Sonderfälle wie Rettungseinsatz).
Zug- und Hubbetrieb
Nur eingewiesene Bediener; Arbeitsbereich absperren, Sicht- oder Funkkontakt sicherstellen.
Hub: Personen fernhalten, niemals unter schwebender Last stehen; Last senkrecht anhängen, Schrägzug vermeiden.
Zug: Zugrichtung möglichst in Trommelflucht; ruckfreie Kraftaufnahme, Lastbewegung stetig.
Keine Lasten blockieren oder „halten“ über die Bremse bei unklarer Standzeit; Last absetzen oder sichern.
Not-Halt testen, bevor die Arbeit beginnt.
Seilführung
Seil sauber, straff und lageweise wickeln; Kreuzlagen vermeiden.
Mindest-Sicherheitswicklung auf Trommel einhalten (i. d. R. ≥3 Seilumläufe).
Flottenwinkel klein halten (≤4–6°); ggf. Umlenkrolle korrekt ausrichten.
Trommel nicht bis Flansch füllen; Randabstand einhalten.
Beschädigte, geknickte oder korrodierte Seile nicht verwenden.
Zugkraftgrenzen
Nennzugkraft nur in 1. Lage; in höheren Lagen entsprechend reduzieren.
Dynamische Einflüsse berücksichtigen (Anfahrstöße, Schwingen, Reibung): Reserve einplanen (Faustregel ≤80% der zulässigen Zugkraft).
Temperatur- und Einschaltdauergrenzen beachten; Überlast-/Thermoschutz respektieren.
Sichere Bedienung und Stoppkriterien
Sofort stoppen bei: Ungewöhnlichen Geräuschen, Rucken, Geruch, Rauch.
Seildurchhang, ungleichmäßiger Wicklung, Seilquerlauf, Litzenbruch.
Überschreitung der Zug-/Hubkraftanzeige oder rasant fallender Geschwindigkeit.
Verlust des Sichtkontakts, Kommunikationsausfall, Personen im Gefahrenbereich.
Schrägzug >10°, Kipp-/Rutschgefahr der Last, instabile Anschlagmittel.
Zustandsprüfung Drahtseil
Die Prüfung des Drahtseils erfolgt durch eine befähigte Person (gemäß TRBS 1203) als Sicht- und Tastprüfung. Zu bewerten sind: Anzahl und Verteilung von Bruchdrähten, Kerben, Quetschungen, S-Knicks/Kinks, Litzenlockerungen, „Vogelnester“, Korrosion (innen/außen), Riefen/Flachstellen, Durchmesserabnahme, ungleichmäßiger Lagenverlauf auf der Trommel, Zustand der Endverbindungen sowie Rollen/Trommelrillen und Schmierung. Ablegereife richtet sich nach Herstellerangaben und einschlägigen Regeln (z. B. ISO 4309/DIN EN 12385); bei gefährlichen Schäden ist die Seilwinde unverzüglich außer Betrieb zu nehmen.
Bremsprüfung
Halte- und Betriebsbremse sind statisch und dynamisch zu prüfen: Haltekraft ohne Schlupf bei Nennlast (ggf. mit Zuschlag gemäß Gefährdungsbeurteilung), Ansprechzeit, Bremsweg, kein Nachrollen, Funktionsfähigkeit der Lüft- und Nachstelleinrichtungen, Zustand der Reibflächen und Not-Halt-Wirkung. Das Absenken muss jederzeit kontrolliert und selbsttätiges Absacken ausgeschlossen sein.
Prüfintervalle
Vor Erstinbetriebnahme und nach wesentlichen Änderungen/Ereignissen (TRBS 1201/BetrSichV).
Wiederkehrend mindestens jährlich; bei hoher Beanspruchung oder rauer Umgebung verkürzt nach Gefährdungsbeurteilung.
Tägliche Sichtkontrolle durch den Benutzer (Seil, Haken, Steuerung, Bremsfunktion).
Dokumentation und Kennzeichnung
Alle Prüfungen sind im Prüfbuch/Protokoll zu dokumentieren (Identdaten, Umfang, Feststellungen, Maßnahmen, Fristen, Unterschrift der befähigten Person). Die Winde ist mit Prüfplakette und nächstem Prüftermin zu kennzeichnen; Seil und Winde erhalten eine eindeutige Zuordnung (Serien-/Seilnummer). Wartungs- und Schmiernachweise sind fortlaufend zu führen; bei Mängeln ist der Betriebsstatus „gesperrt“ zu markieren.
Gerätearten
Handkettenzug: Manuell betätigtes Getriebe mit endloser Handkette und kalibrierter Lastkette; stationär oder verfahrbar am Fahrwerk, für vertikale Hebevorgänge.
Hebelzug (Ratschenzug): Lastbewegung über Ratschen-/Hebelmechanik; geeignet zum Heben, Ziehen, Spannen und für Montagearbeiten in beengten Lagen.
Typische Gefährdungen
Lastabsturz durch Überlast, mangelhafte Anschlagmittel, fehlerhafte Aufhängung oder Seitenzug.
Ketten-/Bauteilversagen infolge Verschleiß, Korrosion, falscher Kette, unzureichender Schmierung.
Quetsch-, Scher- und Stoßgefahren an Ketten, Ritzeln, Haken; Rückschlag am Hebelzug.
Instabile/pendelnde Last, mangelhafte Unterkonstruktion; unzureichende Kommunikation.
Ergonomische Überbeanspruchung (Handkraft, Zughöhen); Umgebungsrisiken (Ex-Zonen, Witterung).
Normativer Rahmen
DIN EN 13157 (Krane – Sicherheit – Handbetriebene Krane/Handhebezeuge).
EN 818-7 (kalibrierte Kurzgliedketten für Handhebezeuge), EN 1677 (Haken/Bauteile).
BetrSichV; TRBS 1201 (Prüfungen), TRBS 1203 (Befähigte Personen).
DGUV Vorschrift 54; DGUV Regel 100-500, Kapitel 2.8.
Optional: ATEX-Richtlinie 2014/34/EU für explosionsgefährdete Bereiche.
Betriebsanweisung (BA) – Kernelemente
Auswahl: Tragfähigkeit, Einsatzumgebung, Befestigungspunkt.
Nutzung: Verbot von Seitenzug; Last mittig einhängen; keine Personen unter Last; klare Signale.
Prüfungen: Tägliche Sichtprüfung; wiederkehrende Prüfungen durch befähigte Person; Dokumentation.
Anschlagmittel: Geeignet, gekennzeichnet, unbeschädigt; korrekte Anschlagarten.
Betrieb: Ausreichende Freiräume; Last langsam heben/senken; bei Störung sofort stillsetzen.
Arbeitsschutz: PSA bei Bedarf (Helm, Handschuhe); Unterweisung, Erlaubnisschein in Sonderfällen.
Sicherer Gebrauch
Vor Arbeitsbeginn: Sichtprüfung von Gehäuse, Haken (mit Sicherungsfalle), Hubkette/Seil, Bremsfunktion und Tragfähigkeitsangabe; nur mit unbeschädigten, zugelassenen Anschlagmitteln arbeiten.
Lastgewicht prüfen; zulässige Tragfähigkeit nie überschreiten; Arbeitsbereich absperren, keine Personen unter schwebender Last.
Gleichmäßige, ruckfreie Bedienung; Last nicht unbeaufsichtigt hängen lassen.
Nur senkrechtes Heben
Last stets mittig unter dem Haken anschlagen; Hubkette/Seil muss senkrecht und frei von Verdrehungen laufen.
Heben/Senken langsam einleiten, Schwingungen dämpfen; Last nur auf tragfähigen, ebenen Flächen absetzen.
Verbot von Schrägzügen
Seitenzug, Schrägzug oder Umlenken über Kanten ist untersagt; dadurch drohen Überlastung, Ketten-/Seil- und Hakenversagen.
Bei außermittigen Lastschwerpunkten: Anschlagpunkte anpassen oder geeignete Lastaufnahmemittel/Traversen verwenden – niemals „wegziehen“.
Finger- und Lastsicherung
Finger weg von Quetsch- und Scherstellen (Hakenmaul, Rollen, Kette/Seil); niemals in die Kette/Schlinge greifen.
Nur am Unterflaschengehäuse/Lastaufnahmemittel führen, nicht an der Hubkette ziehen.
Hakenfalle stets geschlossen; Anschlagmittel gegen Abrutschen, Kippen und Wegrollen sichern; enganliegende Handschuhe tragen.
Bei Auffälligkeiten Betrieb einstellen und Vorgesetzte/Prüfstellen informieren.
BA Prüfung Handhebezeug – Befähigte Person
Die wiederkehrende Prüfung von Handhebezeugen (z. B. Handketten- und Hebelzügen) erfolgt mindestens jährlich durch eine befähigte Person gemäß BetrSichV §14 in Verbindung mit TRBS 1201/1203. Die Frist ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festzulegen und bei hoher Beanspruchung, rauen Umgebungen oder sicherheitsrelevanten Befunden zu verkürzen. Zusätzlich sind Prüfungen vor erster Inbetriebnahme, nach Montage, Reparatur oder außergewöhnlichen Ereignissen erforderlich.
Prüfpunkte
Identifikation: Arbeitsmittel-ID, Typenschild, Tragfähigkeit, Übereinstimmung mit Betriebsanleitung.
Sicht- und Funktionsprüfung: Haken (Sicherung, Maulmaß, Drehbarkeit), Kette/Seil (Verschleiß, Längung, Schmierung, Risse), Getriebe/Hubwerk, Bremse/Sperrklinke, Überlastsicherung, Führungen/Gehäuse.
Aufhängung und Tragstruktur: Öse, Lasthaken, Fahrwerk/Laufkatze, Befestigungspunkte.
Kennzeichnung: Lesbarkeit der Traglastangabe, CE-Kennzeichnung, Warnhinweise.
Probelauf/Belastungsprobe nach Herstellerangaben; Prüfung auf ungewöhnliche Geräusche, Gleichlauf, Bremsverhalten.
Dokumentation
Erforderlich ist ein Prüfprotokoll mit: Datum, Arbeitsmittel-ID, Prüfumfang und -ergebnis, festgestellten Mängeln, Maßnahmen/Verfügungen, Frist zur nächsten Prüfung, Name/Qualifikation und Unterschrift der befähigten Person. Prüfplakette am Gerät anbringen. Aufbewahrung der Nachweise mindestens bis zur nächsten Prüfung (bei Mängeln bis zur bestätigten Beseitigung); Fristen und Verantwortlichkeiten sind in der BetrSichV-basierten Betriebsanweisung festzulegen.
Schmierung
Nur vom Hersteller freigegebene Schmierstoffe verwenden; Bremsflächen und -beläge dürfen nicht benetzt werden.
Schmierstellen: Ketten-/Seiltriebe, Ritzel, Lager, Führungen, Umlenkrollen, Ratschenmechanik.
Intervalle einsatzabhängig festlegen (Staub, Feuchte, Lastkollektiv); vor Schmierung reinigen.
Lastketten dünn, gleichmäßig einölen; keine Klebstofffette, um Kettenlauf nicht zu beeinträchtigen.
Seile leicht konservieren; Korrosionsschutz nach Außenbetrieb erneuern.
Austausch verschlissener Komponenten
Lastkette: Längenstreckung >3 %, Kerben, Korrosion, steife Glieder → ersetzen.
Drahtseil: Litzenbruch, Quetschungen, Korrosion, Durchmesserabnahme >10 % → ersetzen.
Haken: Maulweitenvergrößerung >10 %, Torsion, Risse, abgenutzter Sicherungsriegel → ersetzen.
Bremse: Beläge/Anlaufscheiben bei Glasur, Riss, Untermaß austauschen.
Lager/Federn/Rollen bei Laufgeräuschen, Spiel oder Rastpunkten erneuern.
Nur Original-/freigegebene Teile verwenden; nach Austausch Funktions- und Bremsprüfung dokumentieren.
Einfache Instandhaltungsschritte
Sichtprüfung: Beschädigungen, Leckagen, unvollständige Sicherungselemente.
Reinigung: Staub/Schmutz entfernen, besonders an Ketten und Bremsabdeckung.
Funktionscheck: Leerlauf, gleichmäßiger Hub/Senk; Bremsfalltest mit Prüflast.
Schraubverbindungen mit vorgeschriebenem Drehmoment nachziehen; Typenschilder/Tragfähigkeit prüfen.
Lagerung trocken, UV- und korrosionsgeschützt; Gerät gegen unbeabsichtigtes Betätigen sichern.
Vor Arbeiten: Last absetzen, verriegeln/kennzeichnen; PSA nutzen; Maßnahmen protokollieren.
