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Betriebsanweisungen Säulen- und Wandschwenkkrane

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Säulen- und Wandschwenkkrane – Überblick

Säulen- und Wandschwenkkrane – Überblick

Säulen- und Wandschwenkkrane sind lokal begrenzte Hub- und Handhabungssysteme mit einarmigem Ausleger, der um eine vertikale Achse geschwenkt wird. Säulenschwenkkrane sind freistehend auf Fundamenten oder Stahlausgleichsplatten verankert; Wandschwenkkrane nutzen tragfähige Bauwerksstrukturen. Typische Traglasten reichen von wenigen 100 kg bis mehrere Tonnen, Schwenkbereiche von 180° bis 360°, je nach Ausführung manuell oder motorisch.

Betriebsanweisungen für Säulen- und Wandschwenkkrane

Besonderheiten des Schwenkbetriebs

  • Kinematik: Der Schwenkantrieb erzeugt tangentiale Beschleunigungen, die das Lastpendel anregen. Die dynamischen Zusatzlasten wirken auf Ausleger, Lagerung und Befestigung (Fundament/Anschluss).

  • Bedienung: Handgeführtes Schwenken (mit oder ohne Reibmomentbremse) birgt erhöhte Risiken unkontrollierter Lastbewegung; motorischer Schwenkbetrieb erfordert fein regelbare Antriebe, Soft-Start/-Stop und ggf. Dämpfung.

  • Raum- und Kollisionsmanagement: Der kreisringförmige Arbeitsraum überstreicht Wechselwirkungen mit Förderwegen, Verkehrsflächen, Regalen und Gebäudestrukturen; Endanschläge, Wegbegrenzer und mechanische Anschläge sind zentrale Schutzmaßnahmen.

  • Schnittstellen: Kombinationen mit Kettenzügen/Seilzügen, Katzfahrwerken und Lastaufnahmemitteln beeinflussen Systemdynamik (Schwingungsüberlagerung).

Typische Gefährdungen

  • Aufschaukeln/Lastpendeln durch abruptes Schwenken, Katfahren oder Laststöße; Gefahr des Ausschwingens über den vorgesehenen Arbeitsraum.

  • Reichweitenbedingte Quetsch-, Scher- und Anstoßgefahren im Schwenkbereich; Kollisionen mit Personen, Fahrzeugen, Regalen, Toren.

  • Überlast/Schrägzug, seitliche Seilablenkung; unzureichende Befestigung (Fundament, Dübel, Wandkonsole).

  • Unkontrollierte Mitnahme von Lasten beim Freischwenken; mangelnde Sichtverbindung und fehlende Kommunikation.

  • Elektrische Gefährdungen bei motorisiertem Betrieb (Energiezuführung, Schleifringe) und Stolper-/Hängegefahren durch Leitungen.

Normenüberblick

  • Grundlegende Sicherheit: DIN EN ISO 12100 (Risikobeurteilung).

  • Auslegung/Tragstruktur: DIN EN 13001-Reihe (Kräne – Konstruktion) und zugehörige Nachweise.

  • Elektrik: DIN EN 60204-32 (Elektrische Ausrüstung von Hebezeugen).

  • Hebezeuge/Antriebe: DIN EN 13157 (Handbetriebene Hebezeuge), DIN EN 14492-2 (kraftbetriebene Winden/Hubwerke).

  • Begriffe/Klassifikation/Prüfung: ISO 4306, ISO 4301, ISO 9927 (Wiederkehrende Prüfungen).

  • Recht/Regeln (DE): Maschinenrichtlinie 2006/42/EG (bzw. Nachfolgeregelung), Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), TRBS 1201 (Prüfungen), DGUV Vorschrift 52 „Krane“ sowie einschlägige DGUV-Regeln/Informationen.

Betriebsanweisungen sind aus der Gefährdungsbeurteilung abzuleiten und mindestens zu regeln:

  • Geltungsbereich, Verantwortlichkeiten, Qualifikation/Befähigung der Bedienenden, Unterweisung.

  • Betriebsarten (manuell/motorisch), zulässige Lasten, Einsatzgrenzen, Wind-/Umgebungsbedingungen.

  • Sichere Handhabung: Anschlagen, Vermeidung von Schrägzug, Führen der Last, Geschwindigkeiten (Soft-Start/-Stop), Dämpfungsmaßnahmen gegen Aufschaukeln.

  • Schwenkbereich: Markierung/Absperrung, Kollisionsschutz, Wegbegrenzung, Verkehrsorganisation und Kommunikationsregeln (Zeichen, Funk).

  • Prüfungen: tägliche Sichtkontrolle, regelmäßige wiederkehrende Prüfungen, Dokumentation.

  • Störungen/Notfälle: Not-Halt, Verhalten bei Energieausfall, Freisetzen blockierter Lasten, Sperrung bei Mängeln.

  • Wartung/Instandhaltung, PSA, Piktogramme und Verbotstatbestände (Personenbeförderung, Aufenthalt im Gefahrenbereich).

BA Bedienung Schwenkkran – Kranführer

Sicherer Schwenkbetrieb

  • Vor Beginn Funktions- und Sichtprüfung: Bremsen, Endschalter, Überlastsicherung, Hakenverschluss, Seile/Anschlagmittel, Not-Halt. Wind- und Umgebungsbedingungen gemäß Herstellerangaben prüfen.

  • Gleichmäßiges, ruckfreies Schwenken; Pendeln der Last durch dosierte Beschleunigungs-/Bremsvorgänge minimieren; bei Bedarf Führleinen (Taglines) einsetzen.

  • Ständige Sichtverbindung oder qualifizierte Einweiserkommunikation (standardisierte Handzeichen/Funk).

Bewegungsgrenzen

  • Schwenk- und Hubgrenzen vorab festlegen; Endanschläge und Wegbegrenzer nicht als Arbeitsmittel, sondern als Sicherheitseinrichtungen verstehen.

  • Lastdiagramm und Ausladungsgrenzen einhalten; keine Bewegungen in Bereiche mit unzureichender Boden-/Strukturtragfähigkeit.

  • Sperrbereiche für Schwenkradius markieren, potenzielle Kollisionspunkte identifizieren und freihalten.

Lastführung und Freihaltebereiche

  • Last mittig, form- und kraftschlüssig anschlagen; unter Last stehende Anschlagmittel nicht lösen.

  • Keine Personen unter schwebender Last; Freihaltebereiche um Lastweg und Absetzpunkt konsequent sichern.

  • Kanten- und Scherstellen schützen; Lastweg vorab planen und räumen.

Schutzmaßnahmen

  • PSA: Helm mit Kinnriemen, Sicherheitsschuhe, Handschutz; bei Funkbetrieb ggf. Gehör-/Augenschutz.

  • Arbeitsfreigabe/Absperrung, Lastwegkennzeichnung, Warnhinweise; Notfallplan und Stoppsignal vereinbaren.

  • Betrieb bei Überschreitung der Herstellergrenzen (z. B. Wind, Sicht) einstellen; Arbeiten nur mit qualifiziertem Personal.

BA Anschlagen Schwenkkran – Anschläger

Anschlagmittelwahl und -einsatz im Schwenkbereich

  • Auswahl nach Tragfähigkeit (WLL), Neigungswinkel, Kanten- und Oberflächenbeschaffenheit, Temperatur und Umgebungsbedingungen.

  • Geeignetes Anschlagmittel: Ketten (robust, hitzebeständig), Drahtseile (formstabil), textile Bänder/Schlingen (gewichtsarm, kantenempfindlich; Kantenschutz verwenden).

  • Vor Einsatz: Sicht-/Funktionskontrolle (Kennzeichnung, Unversehrtheit, keine Verdrehungen/Knicks, keine Korrosion/Schnittstellen).

  • Im Schwenkbereich: Ausschwenkradius sichern, Quetsch- und Scherstellen meiden, keine Personen unter Last; Schwenken erst nach Probeheben, Schwerpunktkontrolle, freie Lastbahn.

Anschlagarten

  • Direkt-/Einstranganschlag für definierte Anschlagpunkte; Hakenlot über Schwerpunkt ausrichten.

  • Tragekorb (Körbchen): symmetrische Belastung, Neigungswinkel ≤60° bevorzugt; Kanten schützen.

  • Schnür-/Würgeanschlag: nur zulässig, wenn Lastform dies erlaubt; Reduktionsfaktoren beachten; keine Knoten.

  • Mehrstrangsysteme: Symmetrie sicherstellen, Verkürzungselemente nutzen; Lastverteilungsfaktoren anwenden; nur tragfähige, geschlossene Anschlagpunkte.

PSA und Kommunikationsregeln

  • PSA: Schutzhelm mit Kinnriemen, S3-Sicherheitsschuhe, Handschuhe, Warnkleidung, bei Bedarf Augen-/Gehörschutz.

  • Rollen festlegen: Einweiser/Anschläger – eine Kommunikationshoheit.

  • Einheitliche Handzeichen (DGUV-konform) oder Funk; klare, kurze Kommandos; nur eine Person gibt Signale.

  • STOP-Signal hat Vorrang; Vorgang unterbrechen bei Unsicherheit.

  • Freigabe zum Schwenken erst nach Probeheben, Sichtprüfung und bestätigter Freigabe des Anschlägers.

BA Wartung/Instandhaltung (Schwenkkran)

    LOTO (Lockout/Tagout)

    • Anlage informieren, Arbeitsbereich sichern.

    • Alle Energiequellen freischalten: elektrisch (Hauptschalter), ggf. hydraulisch/pneumatisch; gespeicherte Energie abbauen.

    • Verriegeln und kennzeichnen (Schloss/Tag) je Person; Wirksamkeitsprüfung (Spannungsfreiheit/Funktionslosigkeit) durchführen.

    • Arbeiten ausführen; LOTO erst nach Abnahme und Freigabe entfernt.

    Typische Wartungspunkte

    • Hebezeug: Drahtseil/Lastkette (Verschleiß, Längung, Schmierung), Haken inkl. Sicherung (Aufweitung, Risse).

    • Bremsen (Heben/Schwenken): Funktion, Lüftspiel, Belagstärke.

    • Endschalter/Begrenzungen: Auslösung, Wiederholgenauigkeit.

    • Befestigungen: Sockelanker, Ausleger- und Säulenbolzen mit Soll-Drehmoment; Riss- und Korrosionsprüfung der Struktur.

    • Elektrik: Leitungen, Schleifringe/Schleppkabel, Klemmen; Not-Halt und Bedienelemente.

    • Schmier- und Inspektionsplan: intervallebasiert, zustandsorientiert nachführen; Befunde rückverfolgbar dokumentieren.

    BA Prüfung (Schwenkkran) – Befähigte Person

    Prüfpflichten und Fristen

    • Vor erster Inbetriebnahme sowie nach Montage, wesentlichen Änderungen oder Reparaturen durch eine befähigte Person.

    • Wiederkehrende Prüfungen: fristenbasiert nach Gefährdungsbeurteilung, erfahrungsgemäß mindestens jährlich; zusätzlich anlassbezogen nach außergewöhnlichen Ereignissen (Kollision, Überlast, Sturm).

    • Tägliche Sicht- und Funktionskontrollen durch den Betreiber/Anwender (keine befähigte Person).

    Prüfumfang

    • Tragstruktur und Befestigung: Säule/Konsole, Ausleger, Anker/Dübel, Schweißnähte, Korrosion, Risse.

    • Antriebe und Mechanik: Schwenkwerk, Hubwerk, Getriebe, Bremsen, Lager, Endanschläge/-schalter.

    • Lastmittel: Ketten/Seile, Haken, Wirbel, Sicherungen; Verschleißgrenzen nach Norm/Hersteller.

    • Elektrik/Steuerung: Not-Halt, Endabschaltung, Schutzleiter, Funktions- und Isolationsprüfung (VDE).

    • Kennzeichnungen/Unterlagen: Traglastschild, Betriebsanleitung, Prüf- und Wartungsnachweise, Sicherheitseinrichtungen.

    Dokumentation

    • Prüfprotokoll mit Datum, Anlage, Umfang/Methoden, Bewertungsmaßstab, festgestellten Mängeln, Maßnahmen, Fristsetzung, Freigabe/Restriktionen; Qualifikation/Unterschrift der befähigten Person.

    • Aufbewahrung mindestens bis zur nächsten Prüfung; Führung eines Prüfbuchs; Kennzeichnung am Kran mit nächstem Prüftermin.

    Normbezüge

    • BetrSichV (§§ 3, 14), TRBS 1111, TRBS 1201, TRBS 1203

    • DGUV Vorschrift 52 „Krane“, DGUV Regel 100-500 Kap. 2.8, DGUV Grundsatz 309-008

    • DIN EN 13001 (Kran – Auslegung), EN 13135 (Ausrüstung), EN 60204-32 (VDE 0113-32), DIN VDE 0105-100

    • DIN EN 818/12385/1677 (Ketten/Seile/Bauteile)

    BA Montage/Abbau (Schwenkkran)

    Aufbau-/Abbauvorgaben

    • Nur unterwiesenes, befähigtes Personal gemäß BetrSichV/DGUV; aktuelle Gefährdungsbeurteilung liegt vor.

    • Tragfähigkeitsnachweis/Fundamentfreigabe prüfen; Anker/Grundplatte reinigen, ausrichten, drehmomentgerecht verschrauben (Herstellerangaben dokumentieren).

    • Montagefolge: Säule → Drehwerk/Lager → Ausleger → Hubwerk → Energiezuführung/Anschläge; Endschalter und Anschlagbegrenzer einstellen, Funktionsprüfung.

    • Abbau in umgekehrter Reihenfolge; Lastfreiheit und Spannungsfreiheit herstellen, Komponenten kennzeichnen, Transportsicherungen anbringen.

    Hebevorgänge

    • Geeigneter Hilfskran/Stapler und geprüfte Lastaufnahmemittel (WLL/CE); Anschläger benannt, Anschlagart festgelegt, Kantenschutz verwenden.

    • Absperr- und Gefahrenbereich einrichten; keine Personen unter schwebender Last; Führungsleinen nutzen.

    • Windgrenze beachten (Faustwert ≤ 10 m/s); klare Kommunikation über Einweiser/Handzeichen/Funk.

    Sicherungsmaßnahmen und Freigaben

    • Arbeitsfreigabe/Permit-to-Work und Bereichssperrung; LOTO vor Elektroarbeiten.

    • PSA: Schutzhelm, Handschuhe, S3, Augenschutz; bei Höhenarbeiten Auffanggurt/Anschlagpunkt.

    • Erstprüfung/Abnahme durch befähigte Person inkl. Funktions- und Lastprobe, Prüfprotokoll und Prüfsiegel; Einweisung des Bedienpersonals und Dokumentenübergabe.

    BA Notfall (Schwenkkran)

    Maßnahmen bei Störungen und Ausfällen

    • Kran umgehend stillsetzen, Last kontrolliert sichern/absetzen; Not-Aus betätigen.

    • Schwenk- und Hubbewegungen stoppen; Last gegen Pendeln sichern (Schwenksperre, Bremsen).

    • Energiezufuhr trennen (Hauptschalter), gegen Wiedereinschalten sichern (Lockout/Tagout).

    • Gefahrenbereich absperren, Unbefugte fernhalten, Warnhinweise anbringen.

    • Störung umgehend an Vorgesetzte/Instandhaltung melden; nur befugtes Fachpersonal beauftragen.

    • Ereignis dokumentieren (Fehlermeldung, Foto, Uhrzeit, Umstände) und Freigabe vor Wiederinbetriebnahme einholen.

    Lastsicherung

    • Last möglichst absetzen auf tragfähigem, ebenem Untergrund; Unterbau/Lastböcke verwenden.

    • Anschlagmittel entlasten, auf Schäden prüfen; nur geprüfte, geeignete Mittel einsetzen.

    • Schwebende Lasten niemals unbeaufsichtigt lassen; Kranführer bleibt an der Steuerung.

    • Wind- und Schwingungseinflüsse minimieren; Pendeln dämpfen, Personenabstand sicherstellen.

    • Bei unvermeidbar hängender Last: Bereich weiträumig absperren und temporäre Sicherungen nutzen.

    Alarmierung und Erste Hilfe

    • Notruf 112 (plus interne Notfallnummer) mit W-Fragen; Standort und Zugang beschreiben.

    • Ersthelfer alarmieren, AED bereitstellen; Eigenschutz priorisieren, Energiequellen trennen.

    • Verletzte aus Gefahrenbereich nur bei akuter Gefahr retten; Bereich sichern.

    • Erste Hilfe nach Leitlinien: Bewusstsein/Atmung prüfen, stabile Seitenlage oder CPR, Blutungen stillen, Wärmeerhalt.

    • Rettungskräfte einweisen; Unfall dokumentieren und Meldung gemäß betrieblichem Verfahren erstellen.