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Krananlagen: Einschaltdauer (ED) & Nutzungsklassen

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Krananlagen: Einschaltdauer (ED) & Nutzungsklassen

Einschaltdauer (ED) und Nutzungsklassen im FM

Die ED charakterisiert das Verhältnis der elektrischen und mechanischen Belastungszeit zur Zykluszeit und ist unmittelbarer Treiber der thermischen Beanspruchung elektrischer Antriebe. Sie beeinflusst Kühlkonzepte, zulässige Starts pro Stunde, die Auslegung der Frequenzumrichter sowie die Dimensionierung der thermischen Reserve. Nutzungsklassen (z. B. FEM 1Bm–4m; ISO M1–M8) bilden das erwartete Lastspektrum, die Häufigkeit und die zeitliche Verteilung der Lastspiele ab und sind Grundlage für die mechanische Dimensionierung sicherheitsrelevanter Komponenten: Seile/Ketten (Biegewechsel), Bremsen (Schaltspiele, Reibarbeit), Getriebe und Lager (Wechselfestigkeit, pittingkritische Beanspruchung).

Systemgestütztes Lastkapazitätsmanagement in FM

Im FM-Kontext sind ED und Nutzungsklasse zentrale Stellgrößen für:

  • Betriebssicherheit: Einhaltung von Grenzwerten, Reduktion thermischer und mechanischer Überlastungen, Nachweisführung gegenüber Prüfstellen.

  • Verfügbarkeit: Prognostizierbare Wartungsfenster, geringere ungeplante Stillstände durch passfähige Auslegung und zustandsorientierte Überwachung.

  • Wirtschaftlichkeit: Lebenszyklusoptimierung durch angemessene Spezifikation, minimierte TCO über bedarfsorientierte Instandhaltung, Vermeidung von Über- oder Unterdimensionierung.

Einleitung und Zielsetzung

Für die dimensionierungssichere Auslegung, Auswahl und Bewertung elektrischer Antriebe und ihrer mechanischen Subsysteme ist ein konsistentes Begriffs- und Methodengerüst unerlässlich. Dieses Kapitel definiert zentrale Kenngrößen wie Einschaltdauer (ED), Zyklusbegriffe und Lastkollektive/-spektren, erläutert die in IEC 60034-1 verankerten Betriebsarten S1–S9 mitsamt typischen Einsatzprofilen und stellt Nutzungsklassen nach FEM und ISO vor. Ergänzend werden Mess- und Berechnungsmethoden zur Ermittlung und Bewertung der Belastung, insbesondere für die Bestimmung der ED, beschrieben sowie relevante Datenquellen und Messgrößen systematisiert.

Grundbegriffe: Einschaltdauer, Zyklus, Takt und Einsatzprofil

  • Einschaltdauer (ED): Die ED bezeichnet den relativen Anteil der Einschaltzeit tE innerhalb einer Wiederholzeit T eines periodischen oder quasi-periodischen Betriebs. Sie wird in Prozent angegeben:

  • ED [%] = (tE / T) · 100

  • Im Kontext elektrischer Maschinen dient die ED als thermisches Surrogat, da Verluste überwiegend strom- bzw. drehmomentproportional sind und die Erwärmung maßgeblich von der zeitlichen Belegung mit Verlustleistung abhängt.

  • Zyklus/Takt: Ein Zyklus ist die sich wiederholende Abfolge von Zuständen (z. B. Anlauf – Konstante Last – Auslauf – Stillstand). Die Taktzeit T ist die Dauer dieses Zyklus. In Normen wird häufig eine Referenztaktzeit von 10 Minuten angenommen (insbesondere S3, S4, S5).

  • Einsatzprofil: Zusammenfassung der im Betrieb auftretenden Last- und Drehzahlverläufe samt Zustandswechseln (Start/Stopp, Bremsen), Umgebungsbedingungen und Nutzungsintensität. Einsatzprofile können deterministisch (programmiert) oder stochastisch (bedarfsgesteuert) sein.

  • Lastkollektiv/Lastspektrum: Statistische Repräsentation der im Lebenszyklus auftretenden Lasten (z. B. Drehmoment- oder Kraftamplituden) und ihrer Häufigkeiten. Ein Lastspektrum wird häufig als Histogramm über Lastklassen oder als Rainflow-verarbeitete Zählmatrix dargestellt. Das Lastkollektiv bezeichnet das gesamte Auftreten (Höhen, Zeiten, Zyklen) über einen betrachteten Zeitraum.

IEC-Betriebsarten S1–S9: Definitionen und typische Profile. Die Norm IEC 60034-1 klassifiziert den Betrieb elektrischer Maschinen in neun grundlegende Betriebsarten. Sie bilden die Basis für die Auswahl von Bemessung und Kühlung sowie für die Angabe

  • S1 – Dauerbetrieb (continuous duty): Konstante Belastung bis zum thermischen Gleichgewicht. Typisch: Pumpen, Ventilatoren, Kompressoren mit nahezu konstantem Drehmoment.

  • S2 – Kurzzeitbetrieb (short-time duty): Konstante Belastung über eine begrenzte Dauer, gefolgt von einer Pause, die eine Rückkühlung auf Umgebungstemperatur ermöglicht. Kennzeichnung z. B. S2-30 min. Typisch: Türantriebe, Hubwerke mit seltenen Hüben.

  • S3 – Aussetzbetrieb ohne Anlaufbeeinflussung (intermittent periodic duty): Periodisch wiederkehrende Belastung und Stillstandsphasen ohne nennenswerten Einfluss der Anlaufverluste; charakterisiert durch ED in % und Referenzzyklus (i. d. R. 10 min), z. B. S3-40%. Typisch: Hubwerke, Pressen, Taktförderer.

  • S4 – Aussetzbetrieb mit Anlauf (intermittent periodic duty with starting): Wie S3, jedoch mit berücksichtigungsrelevanten Anlaufvorgängen (zusätzliche Verluste/Wärme). Kennzeichnung z. B. S4-25% 120/h (ED und Starts pro Stunde). Typisch: Regalbediengeräte, Werkzeugmaschinenachsen.

  • S5 – Aussetzbetrieb mit elektrischem Bremsen: Wie S4, zusätzlich elektrische Bremsphasen (generatorisch, dynamisch), die Verlustwärme erhöhen. Typisch: Kranfahrwerke, Windwerke mit Rekuperation.

  • S6 – Dauerbetrieb periodisch mit Last und Leerlauf (continuous-operation periodic duty): Keine Stillstandsphasen, sondern Wechsel zwischen Last und Leerlauf (Kühlung während Leerlauf). Kennzeichnung z. B. S6-60%. Typisch: Kompressoren mit Last/Leerlauf-Regelung.

  • S7 – Dauerbetrieb mit Anlauf und Bremsen: Kontinuierlicher Betrieb mit häufigem Starten und elektrischem Bremsen; ohne ausgeprägte Stillstands- oder Leerlaufphasen. Typisch: Positionierantriebe, Taktstraßen mit hoher Dynamik.

  • S8 – Dauerbetrieb mit periodischem Drehzahlwechsel: Mehrere Last-/Drehzahlstufen in festem Zyklus (z. B. Mehrwicklungs- oder Umrichterbetrieb). Kennzeichnung enthält Stufenanteile und -werte. Typisch: Umrichterantriebe mit Rezeptbetrieb.

  • S9 – Nichtperiodischer Betrieb mit Überlast: Stochastische oder mission-profile-artige Verläufe mit zeitweiligen Überlasten innerhalb zulässiger Grenzwerte; thermische Bewertung über äquivalente Größen. Typisch: Off-Highway-Fahrzeuge, Kranbetrieb im Baustellenalltag.

Achtung

Die Wahl der Betriebsart beeinflusst die thermische Auslegung (z. B. statorische und rotorische Zeitkonstanten), die zulässige ED und die erlaubte Anzahl Starts/Bremsungen pro Zeiteinheit. Hersteller geben hierfür häufig spezifische Grenzwerte an.

Anforderungen an Nachweis, Dokumentation und Klassifizierung von ED und Nutzungsklassen

  • Klassifizierungsprozess:

  • Definition des Verwendungszwecks und der Lebensdauer.

  • Erhebung/Abschätzung des Lastkollektivs (Spektrum, Häufigkeit, Lastanteile).

  • Ermittlung der Nutzungsklasse (ISO 4301-1) und Mechanismusklasse (FEM 9.511).

  • Ableitung ED und Betriebsart für Antriebe (IEC 60034-1; z. B. S3 40%).

  • Abgleich mit Struktur- und Komponentenbemessung (EN 13001; Sicherheitsbeiwerte).

Nachweise:

  • Struktur: statische und ermüdungsfestigkeitstechnische Nachweise, ggf. mittels FEA (mit Validierung und Annahmenprüfung).

  • Antriebe/Bremsen: Thermik (ED, Einschaltdauerzähldaten), Bremsmomente/Notstopp, Lebensdauerberechnung Getriebe/Lager.

  • Hebemittel: Seil-/Kettennachweis (Sicherheitsfaktoren, Biegewechselzahl), Trommel/Rolle, Haken (EN 1677/EN 818 u. a.).

  • Sicherheit: PL/SIL-Berechnung (SISTEMA/Toolreports), Diagnoseabdeckung, Testintervalle, Common Cause Failure.

  • EMV/LVD: Prüfberichte akkreditierter Labore oder interne Prüfprotokolle nach harmonisierten Normen.

Dokumentationsumfang:

  • Klassifizierungsdossier: Nutzungsklasse, ED, Lastkollektive, Grenzen der bestimmungsgemäßen Verwendung, Betriebsprofile.

  • Bedienungs- und Wartungsanleitungen mit konkreten Inspektionsintervallen abgeleitet aus der Klassifizierung.

  • Prüf- und Wartungsnachweise (Lebenslaufakte), Zählerstände (Betriebsstunden, Lastspiele), Condition-Monitoring-Reports.

Betrieb und Monitoring:

  • Implementierung von Nutzungszählern (Lastspiel-/ED-Zähler), Ereigniserfassung (Überlast, Temperatur, Starts/h).

  • Anpassung der Prüffristen an realen Gebrauch (risikobasiert, TRBS 1201-konform).

  • Grenzwert- und Alarmkonzepte; Dokumentation von Überschreitungen und Maßnahmen.

Normativer Rahmen und Begrifflichkeiten

  • IEC-Betriebsarten (IEC 60034-1): Die Norm unterscheidet S1–S9 als standardisierte Last-/Betriebsprofile für elektrische Maschinen.

  • S1: Dauerbetrieb mit konstantem Lastmoment.

  • S2: Kurzzeitbetrieb (definierte Laufzeit, danach Ruhe bis thermische Ausgangslage).

  • S3: Aussetzbetrieb (periodischer Betrieb ohne nennenswerte thermische Wirkung des Anlaufens).

  • S4: Aussetzbetrieb mit Anlauf (Anlaufverluste sind thermisch relevant).

  • S5: Aussetzbetrieb mit elektrischer Bremsung.

  • S6: Dauerbetrieb mit Aussetzbelastung (keine Stillstandsphasen, wechselnde Last).

  • S7: Dauerbetrieb mit Anlauf (ohne Stillstand, mit häufigem Anlauf).

  • S8: Dauerbetrieb mit periodischer Drehzahländerung.

  • S9: Nichtperiodischer Betrieb mit Last- und Drehzahländerungen.

ED/Einschaltdauer

Relativer Einschaltdauerfaktor in Prozent, definiert als t_ein / (t_ein + t_aus) für einen typischen periodischen Zyklus (IEC üblich: 10-min-Referenzzyklus). Für S3 wird ED explizit angegeben (z. B. S3 40 %), für S4/S5/S7 ist zusätzlich die Anzahl Starts pro Stunde sowie das Trägheitsverhältnis anzugeben.

Nutzungsklassen (FEM/ISO)

Die Kran- und Hebezeugklassifikation erfolgt über Nutzungsklassen bzw. Mechanismengruppen M1–M8 (ISO 4301/FEM 1.001/EN 13001).

Sie kombinieren:

  • Lastkollektiv (Leicht/Medium/Schwer/Sehr schwer; charakterisiert über Lastspektrum und Häufigkeit hoher Lasten).

  • Nutzungsdauer/Schalthäufigkeit (Betriebsstunden über Lebensdauer, Zyklen pro Stunde).

  • Ergebnis: Mechanismengruppe M1 (sehr leicht) bis M8 (sehr schwer), getrennt pro Funktion (Heben, Fahren, Schwenken).

Der Bedarf

Motoren werden nach IEC-Betriebsart spezifiziert, während das System (z. B. Kran) nach FEM/ISO klassifiziert wird. Ein belastbares Mapping verknüpft beide Sichten und stellt sicher, dass thermische, mechanische und dynamische Anforderungen konsistent erfüllt sind.

Die folgende Matrix ist als praxisorientierte Zuordnung zu verstehen; konkrete Auslegungen sind stets mit Herstellerdaten (Verlusten, Kühlung, Trägheitsverhältnissen) zu validieren.

IEC-Betriebsart

Kennzeichen

Typischer ED/CDF

Starts/h (typisch)

FEM/ISO Mechanismen (typisch)

Beispielanwendungen

S1

Dauerbetrieb, konst. Last

ED = 100 %

10–30

M1–M3 (leicht), M3–M4 (fahr)

Lüfter, Pumpen; Kranfahrantrieb bei Prozessbetrieb

S2

Kurzzeit mit Abkühlpause

Nennzeit 10/30/60 min

5–20

M1–M3

Verstellantriebe, selten betätigt

S3

Aussetzbetrieb, Start thermisch vernachlässigbar

ED 15/25/40/60 % (10-min-Zyklus)

30–120

M3–M5 (Fahren/Schwenken), M4–M5 (Heben leicht–mittel)

Werkstattkran Fahr-/Schwenkantrieb; einfache Hubwerke

S4

Aussetzbetrieb mit Anlauf

ED 15/25/40/60 % + J-Verhältnis

120–240

M5–M7 (Heben mittel–schwer), M5–M6 (Fahren dynamisch)

Hubwerke mit häufigem Takt; Greiferbetrieb

S5

Aussetzbetrieb mit elektr. Bremsung

ED 25/40/60 % + Bremsenergie

150–300

M6–M8

Hub-/Senkantriebe mit Rekuperation/Bremswiderstand

S6

Dauerbetrieb mit Aussetzbelastung

CDF 25/40/60 % (keine Stopps)

60–180

M4–M6

Fahrantriebe mit Lastwechsel, Rührwerke

S7

Dauerbetrieb mit Anlauf

CDF 25/40/60 % + Anlauf

180–300

M6–M8

Prozesskrane, Zyklusbetrieb ohne Stillstand

S8

Dauerbetrieb mit Drehzahlwechsel

CDF + Last-/Drehzahlprofile

120–240

M6–M8

FU-Betrieb mit Mehrdrehzahlen, Taktförderer

S9

Nichtperiodisch, stark variabel

n. a.

applikationsspez.

M7–M8

Walzwerkskrane, Winders, Prüfstände

Fokus S3/S4:

  • S3 (z. B. S3 40 %): Thermisch begünstigter Betrieb mit Ruhezeiten; Startverluste gering (kleiner Anteil der Zyklusenergie). Geeignet für Fahr-/Schwenkantriebe in M3–M5 und für leichte Hubwerke.

  • S4 (z. B. S4 25 %, 180 Starts/h, J_ges/J_Motor = 2): Signifikante Anlaufbelastung; Auslegung muss Anlaufhäufigkeit und Trägheitsverhältnis berücksichtigen. Typisch für Hubantriebe M5–M7, Greifer-/Magnetbetrieb, Taktkrane.

Hinweis

Die Starts/h sind Richtwerte. Hersteller geben zulässige Werte in Abhängigkeit von Motorbaugröße, Kühlung (IC-Klassen), Versorgung (Direktanlauf, Sanftstarter, FU) und Trägheitsverhältnis an.

S1 (ED 100 %)

  • Lastkollektiv: Konstant oder langsam variierend auf Nennniveau, geringe Spitze.

  • Zyklus: Dauerbetrieb ohne Stillstand. Thermische Dimensionierung auf Dauerverluste.

  • Nutzungsklassen: M1–M3 für Nebenantriebe; Seltener bei Hubwerken (Ausnahme: Prozessförderer).

S2 (Kurzzeit)

  • Lastkollektiv: Konstant nahe Nennlast für definierte Zeit (z. B. 30 min), dann Abkühlung bis θ_0.

  • Zyklusbeispiel: 30 min ON, 90 min OFF.

  • Anwendung: Stell- und Verfahrantriebe mit seltenem Betrieb; Katalogleistung meist als S2-x min ausgeführt.

S3 (Aussetzbetrieb ohne signifikante Anlaufwirkung)

  • Lastkollektiv: Periodischer Betrieb mit Lastabschnitten; die I^2R-Verluste dominieren, Anlaufverluste klein.

  • Zyklus: 10-min-Referenz, z. B. ED 25 % → 2,5 min ON, 7,5 min OFF; ED 40 % → 4 min ON, 6 min OFF; ED 60 % → 6 min ON, 4 min OFF.

  • Starts/h: 30–120 (direkter Netzbetrieb) bzw. >120 bei FU und kleiner Trägheit.

  • Nutzungsklassen: M3–M5. Fahr-/Schwenken (häufige kurze Fahrten), leichte Hubzyklen (niedrige Lastspitzen, lange Pausen).

S4 (Aussetzbetrieb mit Anlauf)

  • Lastkollektiv: Periodisch mit relevanter Anlaufenergie; das Trägheitsverhältnis J_ges/J_M ist als Parameter zu spezifizieren. Bei Hubwerken zusätzlich statisches Moment durch Last.

  • Zyklus: 10-min-Referenz, z. B. S4 25 %, 180 Starts/h. „ON“ besteht aus: Anlauf (t_A), Betrieb (t_B), ggf. Bremsen (t_br), anschließend „OFF“ (t_off).

  • Starts/h: 120–240 (Käfigläufer), bis 300 bei spezialisierten Kranmotoren; begrenzt durch thermische und mechanische Beanspruchung.

  • Nutzungsklassen: M5–M7. Hubwerke mit mittlerem/schwerem Lastspektrum, Greifer/Magnet (häufige Takte), anspruchsvolle Fahrantriebe mit vielen Beschleunigungen.

S5 (mit elektrischer Bremsung)

  • Lastkollektiv: Zusätzliche Bremsverluste (Generatorbetrieb/Bremschopper) wirken thermisch.

  • Nutzungsklassen: M6–M8. Lastkollektive mit hoher Rekuperationsrate (z. B. Senken mit Energierückspeisung).

S6/S7/S8 (Dauerbetrieb mit zyklischer Last)

  • S6: Keine Stillstandsphasen; thermisch näher am Dauerbetrieb, aber mit Mittelung über Lastwechsel (CDF).

  • S7: Wie S6, jedoch mit signifikanten Anläufen; hohe Starts/h.

  • S8: Zusätzlich variable Drehzahlen (z. B. FU mit Mehrpunktprofilen), unterschiedliche Duty-Punkte.

  • Nutzungsklassen: M4–M8 in Zielanwendungen mit Taktförderung, Prozesskranen, Walzwerksantrieben.

S9 (nicht periodisch)

  • Lastkollektiv: Stochastische Profile mit hohen Spitzen; Auslegung über Worst-Case und thermisches Mittel (P_rms).

  • Nutzungsklassen: M7–M8, wenn hohe Dynamik und Spitzen gefordert sind.

Grundlagen: Einschaltdauer (ED) und Nutzungsklasse als Auslegungsgrößen

Die technische Auslegung von Krananlagenkomponenten wird wesentlich durch zwei orthogonale Einflussgrößen bestimmt: die Einschaltdauer ED im Sinne der Betriebsart nach IEC 60034-1 (z. B. S1, S3, S4, S5 …) und die Nutzungsklasse im Sinne von FEM/ISO-Klassifikationen (Lastkollektiv und geforderte Lebensdauer in Lastspielen).

Während ED primär die thermische Beanspruchung und damit die kurzfristige Leistungsfähigkeit, Kühlung und Schalthäufigkeit bestimmt, definiert die Nutzungsklasse die kumulative Ermüdungsbeanspruchung und die erforderliche Lebensdauer hinsichtlich Tra

  • ED und Starts/h beeinflussen hauptsächlich:

  • Erwärmung von Motoren, Umrichtern, Bremsen und Getrieben (Öltemperatur).

  • Schaltspiele und Abkühlintervalle von Bremsen und Schützen.

  • Dynamische Zusatzlasten durch häufige Beschleunigungs- und Bremsvorgänge.

Nutzungsklasse (FEM/ISO) beeinflusst hauptsächlich:

  • Auslegung gegen Ermüdung (Seil-/Kettenbiegewechsel, Zahnflanken-Pitting, Wellen-Lebensdauer, Lager-L10h).

  • Dimensionierung von Trommeln, Rillen, Umlenkrollen hinsichtlich Kontaktpressung und Verschleiß.

  • Auswahl von Sicherheitsfaktoren und Werkstoffen sowie Schmierstoffstrategien.

Eine konsistente Auslegung koppelt beide Dimensionen

Die thermische Reserve muss für die ED und die Schalthäufigkeit ausreichend sein, während Materialermüdung und Verschleiß für die vorgegebene Nutzungsklasse mit angemessenen Sicherheitsreserven beherrscht werden.

Kranhubwerke werden selten unter S1-Dauerbetrieb genutzt; typisch sind S3 (periodischer Aussetzbetrieb) oder S4 (periodischer Aussetzbetrieb mit Anlauf). ED und Starts/h determinieren die zulässige Überlastfähigkeit und die Motorerwärmung:

  • Bei S3/S4 kann für kurze Zeit eine über S1 hinausgehende Leistungsabgabe genutzt werden, sofern die mittlere Verlustleistung unterhalb der zulässigen Erwärmung bleibt. Hersteller geben hierfür S3/S4-Nennleistungen in Abhängigkeit von ED und Starts/h an.

  • Die thermische Zeitkonstante des Motors setzt Grenzen für kurzzeitige Überlasten. Bei hoher ED oder geringer Abkühlzeit ist eine größere Baugröße mit höherer thermischer Reserve zu wählen.

  • Umgebungseinflüsse (Temperatur, Höhe) erfordern Derating. Antriebe in geschlossenen Katzräumen benötigen besondere Beachtung der Warmluftabfuhr.

Konstruktiv empfehlenswert sind Motoren mit hoher Kupferfüllung und Reserven im Ständer-/Rotorpaket; die maximal zulässige Wicklungstemperatur (Isolationsklasse, z. B. F oder H) ist gegen die geforderte Lebensdauer der Isolierung und die vorgesehenen Temperaturerhöhungen abzugleichen.

Die Kühlart beeinflusst die ED-Fähigkeit direkt. Für Umrichterbetrieb sind bevorzugt:

  • Eigenbelüftete Motoren (IC411) bei moderater ED/geringem Drehzahlhub.

  • Fremdbelüftete Motoren (IC416) bei großem Drehzahlbereich und hoher ED, weil die Kühlleistung drehzahlunabhängig bereitgestellt wird.

  • Flüssigkeitsgekühlte Lösungen (IC3W7/IC86W) bei sehr hohen Leistungsdichten oder enger Einbausituation.

Kühlkonzepte müssen mit der erwarteten ED und den Schalthäufigkeiten abgestimmt sein; Temperaturüberwachung (PTC/PT100) in Wicklung und Lager ist bei hohen Nutzungsklassen obligatorisch.

Frequenzumrichter sind Stand der Technik, reduzieren Anlaufströme, ermöglichen sanfte Beschleunigungs-/Bremsrampen und Antischwing-Regelung. Auslegungsaspekte:

  • Dimensionierung des Umrichters mit ausreichender Überlastfähigkeit (z. B. 150–200 % für definierte Sekunden) passend zu S4-Lastprofilen und Bremsbetrieb. Regenerationsfähigkeit oder Bremswiderstand sind in Abhängigkeit von Hub-/Senkprofilen vorzusehen.

  • dV/dt-Beanspruchung und Lagerströme: Bei hohen PWM-Flanken sind isolierte Lager, Sinusfilter oder dV/dt-Filter vorzusehen; dies ist für hohe Starts/h und lange Motorzuleitungen besonders relevant.

  • Drehzahlbereiche: Feldschwächebetrieb erhöht das Drehzahlband, reduziert aber das verfügbare Drehmoment oberhalb der Kippdrehzahl; die Übersetzung des Getriebes ist so zu wählen, dass das Krandrehmoment bei kritischen Betriebsfällen innerhalb des Konstantmomentbereichs liegt.

  • Starts/h: Auch mit Umrichter führt jede Beschleunigung zu I²R-Verlusten und Rotorerwärmung. Bei hohen Starts/h sind Rampenzeiten und Jerk-Begrenzungen so zu wählen, dass thermische Spitzen minimiert werden. Herstellergrenzwerte zu Starts/h und Schalthäufigkeiten sind einzuhalten.

Die Übersetzung legt die Drehzahl-/Drehmomenttransformation fest und bestimmt das Zusammenspiel von Motor, Bremse und Seiltrieb:

  • Hohe Übersetzung reduziert Motor- und Bremsmomentanforderungen, steigert aber Getriebeinterna (Zahnkräfte) und Lagerlasten. Zu große Übersetzungen können den Wirkungsgrad verschlechtern und die Rücktreibfähigkeit erhöhen.

  • In Umrichteranwendungen empfiehlt sich eine Übersetzung, die die Hauptbetriebsfälle (Nennlast heben/senken) im Bereich hoher Motoreffizienz und guter Kühlleistung hält. Ein hinreichender Stillstandsbetrieb ohne Rücktreiben ist über das Selbsthemmungsvermögen und die Bremsauslegung abzusichern.

Die Bemessung folgt den Regeln der Zahnradfestigkeit (z. B. ISO 6336). Nutzungsklasse und ED gehen in Form von Lastkollektiven, Betriebskoeffizienten und Öltemperaturen ein:

  • Zahnfuß- und Zahnflankenfestigkeit gegen Biegung und Pitting: Dimensionierung auf die geforderte Lebensdauer (Gesamtzahl Lastzyklen aus FEM/ISO-Nutzungsklasse). Oberflächenbehandlungen (Carburieren, Einsatzhärten, Schleifen) und Werkstoffwahl (hochreine Stähle) erhöhen die Ermüdungsfestigkeit.

  • Mikropitting- und Graufleckengefahr steigt mit hoher Öltemperatur (hohe ED), niedriger Viskosität und hoher spezifischer Flächenpressung. Auswahl synthetischer Öle mit passenden Additiven (CLP HC/PAO) und geeigneten Viskositäten (ISO VG) reduziert Risiko; Ölzustandsüberwachung erhöht Betriebssicherheit.

  • Schmierung: Spritz-/Tauchschmierung ist Standard; bei hoher ED und Drehzahl sind Umlauf- oder Düsenölschmierung mit Ölkühlung in Betracht zu ziehen. Öltemperaturgrenzen sind einzuhalten, da sie die Tragfähigkeit der Schmierfilme beeinflussen.

Schwingungen und NVH

  • Getriebegeometrie (Profilverschiebung, Eingriffsgrad) und Fertigungsqualität beeinflussen Laufverhalten und Schwingungen. Umrichterbedingte niederfrequente Torsionsanregungen und Zahnmeschfrequenzen können Resonanzen triggern.

  • Konstruktive Maßnahmen: Optimierte Gehäusesteifigkeit, Auswuchtung, flankenkorrektive Zahnform, elastische Kupplungen und Torsionsdämpfer. Zustandsüberwachung (Vibration, Körperschall, Ölsensorik) erlaubt zustandsorientierte Wartung, insbesondere in hohen Nutzungsklassen.

Hauptaufgabe ist das sichere Halten der Last sowie definiertes Abbremsen. Auslegungskriterien:

  • Bremsmoment M_B ≥ k · (M_Last + M_Reib + J_ges · α/z_ges), wobei Sicherheitsfaktoren die Unsicherheiten in Reibkoeffizient, Temperatur und Streulasten abdecken. Für Hubwerke sind federbetätigte, energielöselnde Bremsen Stand der Technik; bei hohen Nutzungsklassen werden oft zwei redundante Bremsen vorgesehen.

  • Betrachtung von Betriebsfällen: Halten unter voller Nennlast, Not-Halt bei Senken, Ausfall von Antrieb/Umrichter, Windlasten in Fahrwerken.

Thermische Beanspruchung und Schaltspiele

  • Die Bremsen dissipieren im Normalbetrieb wenig Energie (Halten). Kritisch sind Not- und Schnellstopps mit kinetischer Energie der rotierenden Massen und ggf. potentieller Energie bei Rücktreiben. Die spezifische Reibarbeit pro Stopp und die Stoppfrequenz bestimmen die Temperaturerhöhung.

  • ED und Starts/h definieren die Schalthäufigkeit. Spulen und Reibbeläge sind für die auftretende Zykluszahl auszulegen; entstehende Bremsstaubmengen und Belagverschleiß sind in Wartungskonzepte aufzunehmen.

  • Maßnahmen: Größere Reibradien, Beläge mit stabilen µ-T, Lüfterrippen/Luftführung, Temperaturfühler, Drehzahlrückführung zur geregelten Bremsung. Bei hoher thermischer Last ggf. Bremsmomentaufteilung auf zwei Aggregate.

Die Lebensdauer von Drahtseilen und Lastketten in Hubwerken wird durch die Anzahl der Biegewechsel über Trommeln und Umlenkrollen (Seil) bzw. über Taschenräder (Kette) bestimmt. Die Nutzungsklasse legt die Zielanzahl an Lastspielen fest; die Auslegun

  • Drahtseile:

  • D/d-Verhältnis (Scheiben-/Trommeldurchmesser zu Seildurchmesser) ist dominanter Einflussfaktor. Für hohe Nutzungsklassen sind große D/d-Verhältnisse vorzusehen; die Mindestwerte hängen von Seilkonstruktion und Normanforderungen ab.

  • Seilkonstruktion (z. B. 6×36 WS mit Stahlseele, verdichtete Litzen, Kunststoffzwischenlage) beeinflusst Flexibilität und Biegewechselfestigkeit. Verdichtete Seile bieten bessere Lebensdauer bei Biegung und höhere Kontaktflächen.

  • Biegewechselzahl steigt mit ED und Zyklusfrequenz; die Seilvorspannung, Trommelrillung und Flottenwinkel beeinflussen Zusatzbeanspruchungen.

Lastketten:

  • Hochfeste Rundstahlketten (z. B. Güteklasse 8/10) nach einschlägigen Normen in Verbindung mit gehärteten Taschenrädern. Kettenführung, Schmierung und Taschenraddurchmesser bestimmen die Gelenkpressungen.

  • Kettenlebensdauer wird von Gelenkverschleiß und Oberflächenermüdung limitiert; ED und Staub-/Feuchtebedingungen erfordern angepasstes Schmierregime und Schutz.

Sicherheitsreserven und Auswahlkriterien

  • Sicherheitsfaktoren: Das Verhältnis Mindestbruchkraft zu maximaler Betriebslast ist abhängig von Norm und Krantyp. Höhere Nutzungsklassen und Personennähe begünstigen erhöhte Sicherheitsbeiwerte sowie redundante Stränge.

  • Endverbindungen (Keilendklemmen, Pressklemmen) sind auf die gleichen Sicherheitsniveaus zu dimensionieren; Setz- und Kriecherscheinungen sind einzukalkulieren.

  • Oberflächen- und Korrosionsschutz sowie regelmäßige Nachschmierung erhöhen die Lebensdauer insbesondere bei hoher ED in aggressiver Umgebung.