Umbau und Modernisierung von Krananlagen systematisch steuern
Krananlagen werden häufig deutlich länger genutzt als einzelne Steuerungs-, Antriebs- oder Sicherheitskomponenten. Umbauten und Modernisierungen können deshalb eine wirtschaftliche Alternative zur vollständigen Ersatzbeschaffung darstellen. Typische Anlässe sind Obsoleszenz, steigende Störungsraten, veränderte Produktionsanforderungen, neue Sicherheitsanforderungen oder der Wunsch nach höherer Verfügbarkeit und Automatisierung.
Entscheidend ist, eine Modernisierung nicht als isolierten Austausch einzelner Komponenten zu behandeln. Jede technische Veränderung muss hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Gesamtsystem bewertet werden.
Umbau und Modernisierung von Krananlagen: Planung, Sicherheit und technische Optimierung
tatsächliche Beanspruchung und zukünftiges Nutzungskonzept.
Umbau als geregelten Prozess durchführen
Prozessphase
Wesentliche Inhalte
Bestandsanalyse
Zustand, Risiken und Obsoleszenz bewerten
Zieldefinition
Kapazität, Sicherheit und Verfügbarkeit festlegen
Technische Planung
Komponenten und Schnittstellen definieren
Änderungsbewertung
Auswirkungen auf Sicherheit und Konformität beurteilen
Ausschreibung / Vergabe
Leistung und Verantwortlichkeiten eindeutig festlegen
Umbau
Demontage, Montage und Integration durchführen
Prüfung
geänderte Anlage und Schutzfunktionen prüfen
Dokumentation
Pläne, Parameter und Anlagenakte aktualisieren
Betriebsfreigabe
Wiederinbetriebnahme formal freigeben
Wesentliche Veränderung frühzeitig prüfen
Bei umfangreicheren Umbauten ist zu beurteilen, ob durch die Veränderung neue Gefährdungen entstehen oder vorhandene Risiken erhöht werden. Das BMAS-Interpretationspapier zur „wesentlichen Veränderung von Maschinen“ bietet hierfür eine systematische Bewertungsgrundlage. Wird eine bestehende Maschine wesentlich verändert, kann sie rechtlich wie eine neue Maschine zu behandeln sein.
Diese Bewertung sollte bereits während der Planung erfolgen und nicht erst nach Abschluss des Umbaus. Ebenso sollte vertraglich eindeutig geregelt sein, wer die erforderliche Änderungs- und Risikobewertung übernimmt.
In Betracht kommen beispielsweise:
Austausch von Steuerung und Frequenzumrichtern,
Modernisierung von Hubwerken und Antrieben,
neue Funk- oder Kabinensteuerungen,
Lastüberwachung und elektronische Begrenzungssysteme,
Kollisionsschutz und Bereichsüberwachung,
Condition Monitoring,
neue Energiezuführungen,
verbesserte Wartungszugänge,
sicherheitstechnische Nachrüstung.
Wiederinbetriebnahme kontrolliert freigeben
Nach dem Umbau müssen betroffene Funktionen, Schutzmaßnahmen und Schnittstellen geprüft werden. Für Krane enthält Anhang 3 der Betriebssicherheitsverordnung spezifische Anforderungen an Prüfungen, unter anderem im Zusammenhang mit Änderungen.
Gleichzeitig sind Stromlaufpläne, Softwarestände, Ersatzteillisten, Wartungsvorgaben, Prüfdokumentation und CAFM-Daten auf den neuen Anlagenzustand zu aktualisieren.
Ein professioneller Modernisierungsprozess verbindet damit Bestandsanalyse – Zieldefinition – Änderungsbewertung – Planung – Umbau – Prüfung – Dokumentation – Betriebsfreigabe. So kann die Nutzungsdauer einer Krananlage gezielt verlängert werden, ohne Sicherheit und Betreiberfähigkeit aus dem Blick zu verlieren.